|
||||||
|
Der beste Boss ist eine Frau Futura.TV und „heute“ haben zur Wahl vom besten Boss aufgerufen. Nun ist der Top-Chef 2007 gekürt. Und denk mal an: Es ist eine Top-CHEFIN.
In den PrimeTime-Studios in Schlieren gehen an anderen Tagen Live-Sendungen wie die Wahl zur Miss Zürich oder Werbeaufnahmen mit Tennis-Gott Roger über die Bühne. Auch heute wird jemand gekürt, doch ausschlaggebend sind für einmal nicht äussere Werte, und der Preisträger hat sich nicht auf dem Tennisfeld, sondern im Arbeitsmarkt bewährt: Andrea Kuhn-Senn. Sie hat das Bildungsinstitut der Bankbranche, die CYP, mitaufgebaut und prägt das schweizweit tätige Unternehmen mit ihrem Führungsstil. Mit sechs Mitarbeitenden fing sie an, heute steht sie als Geschäftsleiterin 65 Personen vor. Die Scheinwerfer werfen ihr gleissendes Licht auf das grausilberne Studiodekor, auf Kamera 1 geht das rote Licht an, und in der Regie beobachtet man, wie Corinne Waldmeier der Gewinnerin den verdienten Pokal überreicht. Was war es nun, was zuerst die Mitarbeiter aus den eigenen Reihen veranlasste, ihre Chefin zu nominieren, und dann die Jury aus HR-Experten bewog, aus allen valablen Kandidaten Frau Kuhn zu ernennen?
Die heute 44jährige konnte vor vier Jahren, als der Grundstein zur CYP gelegt wurde, ihre Kenntnisse in Bankenwesen, Lehrlingsausbildung und Human Resources zusammenlegen. Das CYP (Center for Young Professionals in Banking) ist das Kompetenz- und Ausbildungszentrum für den Nachwuchs der Schweizer Banken im „off the job“-Ausbildungsbereich. Und die Fluktuation ist tief. Die Chefin erkennt Potential und setzt die Leute in herausfordernden Projekten ein. Mitarbeiter zu „führen“ fühle sie sich ausserstande. Nur sich selbst könne man führen, und dabei könne sie die „Mitarbeiter mitnehmen“. Eine Philosophie, die sich ihrer Meinung nach nicht ausschliesslich auf die eigene, also die Bankbranche anwenden lasse.
Dabei pflegt sie eine offene Feedbackkultur – und hat dazu die „Motztage“ erfunden. Weil Vorgesetzte oft ganz zu Recht das Gefühl haben, dass hinter ihrem Rücken das Management kritisiert wird, und die üblichen Aufforderungen in Sitzungen, man möge Kritik äussern, mit Schweigen quittiert werden, räumt sie vorgefasste Termine unter vier Augen ein. Und was kann sie mit der „Jugend von heute“ anfangen? „Vor 20 Jahren sassen wir ehrfürchtig vor dem Ausbildner“, erinnert sie sich; der moderne Jugendliche hingegen hinterfrage diese Werte ständig. „Aber ist es nicht genau diese Selbständigkeit und Initiative, die wir von ihm erwarten?“
Sie sei stets „guter Laune“, hat eine CYP-Mitarbeiterin ihr attestiert. „Ich habe einfach Freude an der Arbeit.“ Sie steht morgens auf und hat nie das Gefühl „ich muss“. Das ist ihr auch im Fernsehstudio anzumerken. Mit offenkundigem Interesse und einem souveränen Lächeln nimmt sie das hektische Treiben in sich auf, zweifellos analysiert sie gerade den Führungsstil im Fernsehstudio. „Führen heisst nicht, dass alle einem wie Schafe folgen sollen“, sagt sie. Führen, das sei ein gegenseitiges Anerkennen der Stärken und Schwächen. In ihrem Unternehmen propagiert sie die Kultur der „learning organisation“ nicht nur, sie setzt sie auch persönlich um. Was sie mit dem Preis anfangen wird? Das muss sie sich noch überlegen. „Soll ich ihn im Büro zur Schau stellen? Schliesslich findet mich nicht jeder gut.“ Auch hier denkt sie an die Mitarbeitenden zuerst. rs.
Bildlegende: Chefin des Jahres: Andrea Kuhn-Senn nimmt die Auszeichnung aus den Händen von Futura.TV-Moderatorin Corinne Waldmeier entgegen. Top-Chef 2007: Die beste Chefin der Schweiz >>> Artikel im |
|
|||||
| ||||||